In Arbeit: Band 4 - Großmagie - Sophie André

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In Arbeit: Band 4 - Großmagie

Art-Arien
 
 

"Während ein Mann namens Sinan Istakhrasus auf dem Forum von Chromnos´ Hauptstadt vierzig Peitschenhiebe erhielt und damit eine Erschütterung der Macht herbeiführte, die keiner von uns je auf diese Art erwartet hätte, lebten wir in Art-Arien im Genuss einer lang andauernden Ruhe. Keiner von uns erahnte die Folgen, die diese Erschütterung der chromnischen Macht nach sich ziehen würde ..."

 
 

Vorschau auf Band 4:

Hier finden Sie als kleines Bonbon einen ersten Einblick in den Beginn des Bandes "Großmagie". Lassen Sie sich nach Ipioca entführen, in das wilde Land der Inkoté, dass sie allein mit der ungezähmten Natur teilen. Seien Sie dabei, wenn Darius und Nashoba für ein Gespräch unter Brüdern zusammenkommen und lassen Sie sich in die Geheimnisse von Nashobas Glauben einweihen.

Kapitel 1: Komm Schwimmer

Darius war kein dummer Mann und so brauchte er nicht lange, um zu verstehen, dass Archon mit seinen Vorbehalten gegenüber ihrer derzeitigen Lebensweise recht hatte.
Und auch wenn die Unterschiede zwischen Schuma und Tsiigehtchic erheblich waren, so gab es doch manches, was ihm am einfachen täglichen Leben der Indianer gefiel.
Erstmals war ihm das schon im Frühjahr klargeworden, als er zusammen mit Solinea darauf gewartet hatte, dass Nashoba von seiner Verletzung genas und sie ihre gemeinsame Zukunft planen konnten.
Damals hatten ihm die Inokté ein eigenes Tipi eingerichtet und Darius war erstaunt gewesen, wie eigenartig und doch wohlig sich diese für ihn neue Behausung angefühlt hatte.
Die Kreisform des Zeltes, die ihn zunächst irritiert hatte, war ihm bald wie ein Schutz und eine tröstliche Hülle vorgekommen, die weichen, stark duftenden Felle, das im Frühjahr beinahe ständig glimmende Feuer, all das hatte ausgesprochen beruhigend und besänftigend auf ihn gewirkt, zu einer Zeit, in der er über seine Zukunft stark verunsichert gewesen war.
Darius war sich schnell darüber im Klaren, dass es ihn  weit weniger stören würde, zeitweise mit den Inokté zu leben, als er es zunächst angenommen hatte.
Andererseits wusste er von früheren Begegnungen mit dem Minági, wie schwer es diesem fiel, längere Zeit in geschlossenen Räumen auszuhalten. Nashoba hatte sich zwar nie darüber beschwert, aber wann immer er auf der Drachenburg zu Gast gewesen war, ließ sich seine Unruhe nach ein paar Tagen nicht übersehen.
Der Drache hatte ihn dafür manchmal belächelt. Dennoch, wenn er ganz ehrlich war, verstand er seinen Freund.
Er wusste, wenn er den Ideen von Archon Gestalt geben wollte, musste er den ersten Schritt dazu tun. Besser ein kalter Winter in Ipioca als Traurigkeit  in Solineas Augen.
Also machte er sich auf die Suche nach seinem indianischen Freund, um ihn zu einem offenen Gespräch zu bewegen.
Nashoba war an jenem Tag leicht zu finden.
Die Ruhe an der Grenze und die friedliche Stille im Dorf waren etwas, das der Minági ganz bewusst genoss. Selten kam er dazu, das Land und die Natur, die er zu schützen geschworen hatte, auch zu beobachten und zu genießen.
An jenem Morgen aber war er schon früh aufgebrochen, um sich an der Mündung des Eisenflusses den Beginn der Lachswanderung anzusehen.
Für die Inokté war die Ankunft des ‚Schwimmers‘, wie sie den Lachs respektvoll nannten, mehr als eine Sicherheit in der Nahrungsversorgung.
Im Zug der Lachse und dem großen Lebenszyklus, der mit ihrer Wanderung in Verbindung stand, sahen sie das Wirken eines mystischen Schöpfers.
Nashoba kannte die Mythen und Legenden um den ‚Schwimmer‘ genau und auch, wenn er manche Dinge einfacher sah und nicht unbedingt in die Ankunft der Lachse das Wirken einer  geheimnisvollen Magie hineindeutete, so war auch er von dem alljährlichen Wiederkehren dieses Naturschauspiels fasziniert.
Darius ertappte ihn dabei, wie er auf einem Felsenüberhang am Ufer des Eisenflusses kniete  und leise ein uraltes Lied seines Volkes sang.
„Komm Wolf, komm Schwimmer …"
Es war etwas in der Gestalt seines Freundes, das Darius still nähertreten ließ. Zum ersten Mal sah er den Minági frei von den Zwängen des Krieges, still in eine friedliche Meditation versunken, eins mit seinem Land und mit sich.
Ein neuer Respekt dem Älteren gegenüber regte sich in dem Drachen und er wünschte sich, auch eines Tages eine solche Ruhe und Weisheit erlangen zu können.
Nashoba, dem die Ankunft des Freundes nicht entgangen war, der sich aber auch in seinen Betrachtungen nicht stören lassen wollte, winkte Darius näher.
Der folgte seiner einladenden Hand nicht ungern. Wollte er doch erfahren, was den Minági an den Fluss gelockt hatte und zu dessen leisem Gesang Anlass gab.
Dann, als auch er sich über die Klippe beugte, sah er es.
Unzählige Fischleiber mit silbern schimmernden Schuppen und flinken Flossen drängten sich in die Flussmündung. Tausende und aber tausende Lachse waren auf dem Weg zu den Plätzen ihrer Kindheit, zu den weit im Land gelegenen Quellen des Flusses.
Dort, so erklärte ihm Nashoba nun leise, lagen die Kiesbänke, die Laichplätze, von wo aus jene Lachse vor einigen Jahren ins Meer gezogen waren. Dorthin würden sie nun zurückkehren, um ihrerseits zu laichen und zu sterben.
„Nicht viele von ihnen werden tatsächlich an den Quellläufen ankommen", erklärte der Inokté seinem Freund.
„Der Weg dorthin ist für sie ein Kampf auf Leben und Tod. Viele Gefahren drohen. Greife, Bären, die Sonne, Niedrigwasser. Dennoch wird ein jeder von ihnen dieses Risiko auf sich nehmen. Keiner der Fische, die du hier siehst, wird je lebend ins Meer zurückkehren. Der Zyklus ihres Lebens beginnt und endet an den Quellen. Und dennoch sind sie voller Mut, stetig, unaufhaltsam."
Lächelnd sah Nashoba zu Darius, der bei den Erklärungen des Minági wie gebannt auf die unüberschaubare Menge von Fischleibern starrte.
„Und sie werden ihr Ziel erreichen. Die Lachse als Art werden erhalten bleiben. Ja, noch mit dem Fleisch ihrer verwesenden Körper werden sie die neue Generation ernähren."
Ein wenig beschämt über seinen emotionalen Ausbruch wandte Nashoba den Blick wieder auf den schäumenden Fluss.
„Es fasziniert mich. Es fasziniert mich, wie sich dieses Schauspiel Jahr für Jahr wiederholt. So vieles hängt vom Zug der Lachse ab. Das Überleben der Adler und der Grizzlybären, das Gleichgewicht der Natur und auch das Leben meines Stammes im kommenden Winter."
Freundlich erwiderte nun Darius den offenen Blick seines Freundes.
„Ich verstehe dich. Und ich wünschte, auch ich könnte in der Natur all das sehen, was sie dir offenbart."
Erstaunt musterte ihn der Wolfsmagier, doch ging er nicht direkt auf Darius´ letzte Bemerkung ein.
„Ich hatte vor, mit Solina dem Weg der Lachse ein Stück weit zu folgen. Sie hat noch nie einen Bären gesehen und zur Zeit der großen Fischzüge sind die Braunen gut zu beobachten und so satt, dass sie für uns ziemlich harmlos sind. Komm doch einfach mit uns und sieh es dir selber an."
Nun war es an dem Drachen, Erstaunen zu zeigen.
„Du würdest wollen, dass ich euch beide bei diesem Abenteuer begleite?" fragte er überrascht nach.
Nashoba zuckte mit den Schultern.
„Warum nicht? Du wärst nur ein paar Tage von Schuma fort und es ist wirklich ein spannendes Erlebnis. Außerdem wollte ich dir sowieso das eine oder andere von Ipioca zeigen und dem ‚Schwimmer‘ eine Zeitlang zu folgen, wäre dafür ein guter Anfang."

Band 4 "Großmagie" erscheint voraussichtlich Ende des Jahres. Ich freue mich, Sie dann erneut als Leser begrüßen zu dürfen.

 
 
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