Tahatan und Seren - Sophie André

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Tahatan und Seren

In Arbeit
 

Xavias Tod hat Tahatan in eine Leere gestoßen, aus der er sich nicht befreien kann. Enttäuscht vom Leben und vom Schicksal schwört er, nie wieder sein Herz für eine andere Frau zu öffnen.

Seren aber, die erstmals knapp drei Jahre nach dem Tod der Gefährtin des jüngeren Minágis das Festland betritt, weiß nichts von diesem Schwur. Hals über Kopf verliebt sie sich in jenen Mann, der so anders ist als alle, die sie bisher kennengelernt hat.

Als Tahatan sie in der Nacht des Meeresmondes abweist, trifft sie der Fluch der Sirenen, ohne, dass sie etwas dagegen tun kann...

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Kleine Leseprobe:

Ubba erzählt:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Serens Beweggründe damals verstand.
Von all meinen Kindern war sie das Außergewöhnlichste und am wenigsten Erwartete.
Mit Serens Mutter verband mich wenig und als sie zu mir kam, um mir ihre neugeborene Tochter zu überlassen und damit gegen jeden unserer Bräuche verstieß, nahm ich das winzige Mädchen ohne nachzudenken zu mir.
Sirenen waren merkwürdige Wesen und wenn sie das Kind nicht haben wollte …
Nun aber, da Seren eine junge Frau geworden war und unter dem deutlichen Erbe ihrer Mutter sichtbar litt, wünschte ich mir, dass die Sirene mehr Anteil an der Entwicklung ihres Kindes genommen hätte.
Seren aber war anbetungswürdig schön, ihre Stimme mehr als nur anziehend. Die jungen Männer unter den Wasserdämonen lagen ihr zu Füßen und wenn sie für einen von ihnen gesungen hätte, wäre er ihr bis ans Ende der Welt gefolgt.
Doch gerade das stieß die junge Frau ab und irgendwie verstand ich ihre Abwehr. So, wie wir Männer eine Frau erobern wollten, war es ihr Wunsch, erobert zu werden. Sie wollte keinen Gefährten, der ihr nur aufgrund ihrer Schönheit und sexuellen Anziehung folgte. Sie wollte einen starken Partner, der ihr langfristig ebenbürtig war.
Ja, ich glaube doch, dass ich sie verstand!
Die Traditionen unseres Volkes hatten den Sirenen einen ganz eigenen Platz zugewiesen. Doch der Tempel der Sängerinnen existierte schon lange nicht mehr und für die entwurzelten Havfruen mit der ihnen eigenen besonderen Begabung gab es nun keinen Platz mehr, an dem sie in der Gemeinschaft aus Ihresgleichen hätten Frieden finden können.
Dass Seren nun einen neuen Weg einschlagen und auf dem Festland nach einer neuen Bestimmung suchen wollte, sprach von Mut und Neugier.
Ich gab ihr recht. Sollte sie sich doch Tarya und dem Tross jener Wasserdämonen anschließen, die auf Darius´ Land eine neue Heimat suchten.
Es würde für die Krieger kein so großes Problem sein, wenn meine Söhne neben Tarya noch eine zweite Schwester  auf das Festland eskortierten.
Shayan würde sicher auch für Seren einen ehrenwerten Platz in Schuma finden und Darius hätte gewiss Aufgaben für sie, die ihr mehr Möglichkeiten eröffneten, als in Aquosus ein Objekt sexueller Fantasien für die männlichen Wasserdämonen zu sein.
Und wenn ich ganz ehrlich war, so wünschte auch ich Seren ein anderes Schicksal, als es ihrer Mutter beschieden war.
Es gab für eine Sirene in unserer Gesellschaft eigentlich nur zwei Wege. Wenn sie am Tag des Meeresmondes zum ersten Mal für einen Geliebten sang, so konnte dieser ihre Liebe erwidern und sie blieben in diesem Bund ein Leben lang vereint, oder er erwiderte nur die körperliche Anziehung, die die Sirene auf ihn ausübte und die Sirene wurde durch diese Ablehnung dazu verbannt, an jedem Meeresmond auf´ s Neue für einen Mann zu singen und sich ihm in jener Nacht der ungehemmten Lust hinzugeben.
Den dritten Weg, den Weg der völligen Abweisung der Singenden, musste noch nie eine Sirene unseres Volkes gehen. Dazu verehrten die Männer diese Frauen viel zu sehr. Man sagte ihnen nicht zu Unrecht nach, dass sie mehr als alle anderen Frauen die Geheimnisse der körperlichen Liebe beherrschten und jeden Mann zu Empfindungen verleiten konnten, die ihm bis dahin völlig fremd gewesen waren.
Somit wäre es keinem der Unseren eingefallen, dem Werben einer Sirene nicht auf die eine oder andere Weise nachzugeben. Täte er es doch, so würde die um ihn Werbende bis zur Vollendung des nächsten Meeresmondes langsam dahin siechen und mit dem vollen Mond im darauffolgenden Jahr sterben.
Das wusste jeder Wasserdämon und schon deshalb war das Werben einer Sirene jedem von uns heilig!
Doch als ich nun Seren die Erlaubnis gab, Tarya auf´ s Festland zu begleiten, machte ich mir hierüber keine Sorgen. Sie war eine intelligente, gewissenhafte junge Frau und würde – so glaubte ich – nichts Unüberlegtes tun!
Wie sehr ich mich hierin irrte, konnte ich zu jener Zeit nicht einmal ahnen!



 
 
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