Wie Iktomi den Traumfänger webte - Sophie André

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Wie Iktomi den Traumfänger webte

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Wenn der Winter über die indianischen Dörfer hereinbricht,
finden sich Alt und Jung zusammen, um die alten Mythen zu erzählen.
Auch Nashoba berichtet von diesen Zeiten,
als Trickstergötter und Fabelwesen noch die Erde bevölkerten,
seine Geschichte handelt von Iktomi, der Spinne.


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Kleine Leseprobe:

Tief im Winter, wenn der Schnee sich hoch vor den Langhäusern der Inokté türmte und nur die rotgelben, züngelnden, knisternden Flammen der Feuer vor der eisigen Kälte des Frostes schützten, fand sich das ganze Dorf an den Abenden im großen Versammlungshaus des Stammes zusammen.
Bis spät in die Nacht hinein sangen, trommelten und tanzten die Bewohner Tsiigehtchics, als wollten sie die Dunkelheit und die Kälte allein durch ihre Freude vertreiben.  

Bei all dem waren die Kinder immer mit dabei und es spielte keine Rolle, ob ihre Eltern nun Menschen oder magische Wesen waren. Bei den Reifen- und Stockballspielen, bei den Liedern und Tänzen gab es keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Spezies.  
Am Schönsten aber war es für alle, wenn sich der Minági Nashoba zu ihnen gesellte.
Schon, wenn der großgewachsene Magier zusammen mit seiner Gefährtin den Raum betrat, verstummten die anfeuernden Rufe der Spieler und die Kinder versammelten sich erwartungsvoll um das Feuer.  
Nahm dann der Wolfsmagier in ihrem Kreis ebenfalls Platz und brachte aus den Falten seiner Büffelfellrobe nicht nur das heilige Chanunpa wakan zum Vorschein, sondern auch eine große Kalebasse voller gerösteter Zirbelnüsse[1]  oder getrockneter Kaktusfrüchte, dann ließen sich auch die Erwachsenen mit einem duldsamen, stillen Lächeln hinter den Jüngeren nieder und schenkten ihrem Anführer ihre Aufmerksamkeit.

Würde er ihnen doch erneut eine der spannenden Legenden in Erinnerung bringen, die die Seele ihres Stammes und seine Geschichte ausmachten.  
Der Beginn dieser Mythenabende war immer derselbe. Dennoch beobachteten die Kinder mit Spannung den Minági, der darauf wartete, dass sich die Stille um ihn herum ausbreitete, um dann sein Kalumet zu stopfen und zu entzünden.  

Während er bald darauf zufrieden einen ersten Zug aus der Heiligen Pfeife der Inokté nahm und den Rauch in die vier Himmelsrichtungen blies, reichte seine Gefährtin Solinacea gewiss die von ihr vorbereiteten Süßigkeiten in die erwartungsvolle Kinderrunde.  Dann gab auch der Minági das Kalumet weiter, zog das weiße Büffelfell zurecht, mit dem er sich vor der Kälte schützte und richtete seine fast schwarzen Augen forschend auf eines der Kinder.  „Kennst du die Geschichte, wie Iktomi den Traumfänger webte?“, fragte er mit ernster Stimme, während die Fältchen um seine Augen bereits  sein Vergnügen verrieten. Kannte er doch, wie alle Erwachsenen, die Reaktion der Kinder schon im Voraus.

 
 
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